Archiv für den Monat: Juni 2021

Community Empowerment als Reaktion auf staatliche Repression

Triggerwarnung: Gewalt, Polizeigewalt
english version see below // Trigger warning: violence, police violence

Here a link if you need legal support related with MAY 1st / Hier der Link falls du Rechtshilfe support bezüglich des 1.Mai brauchst: https://www.mayday.jetzt/index.php/2021/05/17/zwsichendurch/

MAYDAY MAYDAY – für eine Welt ohne Polizeigewalt
Community Empowerment als Reaktion auf staatliche Repression

Kurzform: Dies ist eine kurze oberflächliche Beschreibung der Problemlage rund um die Polizei, ihr Handeln, ihrer Verantwortung und ihrer Existenz. Es geht darum, einem gewaltvollen Zustand etwas entgegenzusetzen. Wir rufen dazu auf, sich ausgehend vom 1.Mai und der Repression und Gewalt gegen die MAYDAY Wien Parade, genauso wie zu den kontinuierlichen Angriffen, Schikanen und Versäumnissen durch die Polizei gegenüber marginalisierter und vieler verschiedener Gruppen in der Gesellschaft, zu organisieren. Nehmen wir uns als diverse, antifaschistische und solidarische Community den Platz und den Raum. Bekämpfen wir diese Strukturen radikal, anstatt nur individuelle “Ausrutscher” und einzelne Repressionsfälle in Frage zu stellen.

Um das gemeinsam anzugehen, gibt es einen zweiten Termin am 04.07. 18h – ca. 20h30 und die Email-Adresse ohne_polizei@riseup.net zur Kontaktaufnahme!

Pfefferspray, Schlagstock, Tritte und Beschimpfungen. Verhaftungen,
Polizist_innen, die auf Menschen knien, Leute werden umgeworfen oder wegdrängt. Jagdszenen…
Das sind Schlagworte, die Eindrücke vom 1.Mai widerspiegeln als es bei der Abschlusskundgebung der MAYDAY 2021 im Sigmund-Freud-Park in Wien zu Angriffen und massiven Gewaltexzessen durch die Polizei kam. Diese Situation wurde durch einen Einsatz von zwei verdeckten Zivilpolizisten in rechter Szenekleidung ausgelöst (Quellenverweis Presse Service Wien: https://twitter.com/PresseWien/status/1388924368441516036 )

Die Ereignisse des 1.Mai stellen einmal mehr die Frage in den Raum: Brauchen wir eine solche Polizei? Wie kann eine Welt ohne Polizei aussehen? Eine bewaffnete staatliche Organisation, die sich auf diese Art und Weise verhält, produziert keine Sicherheit, sondern vorrangig Gewalt. Dabei ist klar, das übergriffige Verhalten richtet sich nicht nur gegen linke, antifaschistische Demonstrationen. Pressevertreter_innen, Personen, zumeist People of Color, denen gegenüber Ethnic Profiling und Ungleichbehandlung stattfindet, geflüchtete Menschen, Menschen ohne Papiere oder mit nicht-österreichischem Pass und Wohnungslose sind mögliches Feinbild. Alle marginalisierten Gruppen sind verstärkt von Kontrollen und Gewalt betroffen – zudem ist die Polizei im Regelfall alles andere als eine sensibilisierte Unterstützung bei häuslicher Gewalt.

Aktuell gibt es bei Grassroots-Initiativen, bei Gruppen die sich horizontal und von unten organisieren, viel Diskussion über Alternativen zur Polizei. Dies ist keine neue Idee, aber angetrieben u.a. durch den Diskurs der Ereignisse in den USA, nachdem George Flyod im Mai 2020 von der Polizei ermordet wurde. Oder auch durch die Ereignisse in Deutschland, wo, nachdem das rechtsextreme Terrornetzwerk NSU 10 Menschen umgebracht hat, tiefe Verstrickungen in der Polizeistruktur nachgewiesen werden konnten. Schon seit jeher gibt es, besonders in migrantischen und Schwarzen Communitystrukturen, die stark von polizeilicher Kontrolle und Repression betroffen sind, Überlegungen zu Alternativkonzepten. Aber auch anarchistische Strömungen beschäftigen sich ausgiebig damit. Viel von dem, was nun unter den Begriffen “Community Accountabilty” (einem verantwortungsvollen, gemeinschaftsbasierten Umgang mit Übergriffen) oder “Transformativer Gerechtigkeit” diskutiert wird, stammt aus linken, progressiven, emanzipatorischen Kontexten in marginalisierten Communitys wie Schwarzen und indigenen Communitys in Nordamerika.

Diese Konzepte eröffnen mögliche konkrete Handlungsoptionen, wie gesellschaftliches Miteinander auch ohne Polizei funktionieren kann und worin der Fokus liegen könnte.
Eine gute Übersicht zum Diskurs und Ansätzen wie #defundthepolice ist hier zu finden:
de: https://www.instagram.com/p/CCrD-2rH5bA/
en: https://defundthepolice.org/

Wir wollen hin zu einer Utopie, in der es keine Gewalt mehr gibt. Und in der auch Kontrollinstanzen wie die Polizei einer kapitalistischen und patriarchalen Vergangenheit angehören, solidarisch überwunden. Bisher können wir nur auf Fragmente dieser Utopie zugreifen und doch wirken wir schon jetzt in verschiedensten Formen solidarisch auf sie hin.

Das bedeutet ein Ende der gesellschaftlichen Toleranz gegenüber der beschriebenen Gewalt. Es gibt andere Konzepte. Eine Welt, in der alle ein Stück Verantwortung übernehmen, damit ein gutes Leben für alle möglich ist!
Es geht uns alle an, das sind keine Individual-Kämpfe.

Um den Weg dorthin weiter zu bestärken, wollen wir aktive Schritte setzen. Wir rufen als Reaktion auf Polizeigewalt zu einer permanenten Vernetzung und einem solidarischen Programm auf. Wir wollen gemeinsam mit dir/euch/vielen ein Netzwerk für solidarischen, emanzipatorischen Zusammenhalt und gegen Repression gründen. Dadurch wollen wir verschiedenes bezwecken:

  • die bereits bestehende Arbeit verschiedener Initiativen und Gruppen, die in diesen Bereichen wirken, sichtbarer zu machen.
  • eine Reihe an Veranstaltungen und Workshops starten, um sowohl utopische Ansprüche, aber auch praktische Fähigkeiten im Umgang mit Repression zu vermitteln (Demo+Bezugsgruppen-Workshops, Erste Hilfe, Anti-Repressionsarbeit…).
  • kreative, empowernde, diverse Aktionen und Raumnahmen ermöglichen, die uns und anderen Handlungsfähigkeit (zurück)geben und vermitteln. Dies soll nicht für unsere “Bubble” gedacht sein, sondern größer als Community Empowerment.

Deshalb laden wir all jene, die etwas beitragen wollen, ein, sich bei uns zu melden. Damit können wir solchen Ereignisse wie jenen am 1.Mai entgegenwirken und ihnen ein Ende setzen. So können wir dafür sorgen, dass Polizeigewalt aufhört.

Wir laden all jene ein, die sich für radikale Awareness und gleichberechtigte gesellschaftliche Strukturen ohne Unterdrückung einsetzen wollen.
Wir freuen uns auf eure Ideen und Beteiligung; mit Kunst und Kulturprogramm; mit Aktionen, Demonstrationen und Straßenfesten; mit Workshops, Lesungen, Konzerten, Filmen, Diskussionen und anderen Vorschlägen.

Wir freuen uns auf konkrete, gemeinsame Schritte, die Betroffene von Polizeigewalt und -repression unterstützen und unser Leben sicherer machen. Ganz im Sinne einer Sicherheit, die ohne autoritäre Kontrolle auskommt.

Wir freuen uns auf alle, die bereits jetzt in Initiativen arbeiten, in denen sie Polizeigewalt, Missstände in der Gesellschaft und damit verbundenen Probleme dokumentieren, bearbeiten und gegenarbeiten. Alle, die Rechtshilfe, Soli- und Anti-Repressionsarbeit machen.

Alle, die von den angesprochenen Themen und der damit verbundenen Gewalt betroffen sind und diese verändern wollen –

  • lasst und vielfältig gegen diese Zustände agieren!

Einladung zu einem ersten Treffen:
Das Treffen steht allen Gruppen und Personen offen, die sich beschriebenen emanzipatorischen Grundwerten verpflichtet fühlen. Parteipolitische Gruppen und ausschließlich hierarchisch organisierte Gruppen sind nicht zum Treffen eingeladen.

Bitte um Email mit einer kurzen Info, wer du/ihr seid und warum ihr teilnehmen wollt, an: ohne_polizei@riseup.net

Über uns: wir sind Aktivist_innen, basiert in Wien, die sich schon länger mit Themen wie emanzipatorischer Sicherheit, gemeinsamem Organisieren und solidarischem Miteinander auseinandersetzen. Einige von uns sind im mobilen Infoladen biblio>media:take! organisiert. Einige von uns sind von den Ereignissen des 1.Mai in unterschiedlicher Form betroffen, wir finden es wichtig und nötig uns deshalb besser zu organisieren und Empowerment gegen staatliche und herrschaftliche Repression zu setzen.

Trigger warning: violence, police violence

MAYDAY MAYDAY – for a world without police violence
Community empowerment as a reaction to state
repression

Short form: This is a short description on the problem around the police, their actions, their responsibility and their existence. The point is to do something to oppose a condition of violence. We call for organizing based on May Day and the repression and violence against the MAYDAY Vienna Parade, as well as on the ongoing attacks, harassment and failures by the police against marginalized and many different groups in society. Let’s take the space and place as a diverse, anti-fascist and community in solidarity. Let’s fight these structures radically, instead of only questioning individual “slips” and single cases of repression.

To tackle this together, there is a second date 04.07. 18h unitil 20h30 and the email address ohne_polizei@riseup.net to contact!

Pepper spray, baton, kicks and insults. Arrests, policemen kneeling on people, people being knocked down or pushed away. Hunting scenes…

These are keywords that reflect impressions from May 1st, when at the closing rally of MAYDAY 2021 in the Sigmund-Freud-Park in Vienna massively violent attacks and riots by the police took place. This situation was triggered by two undercover civilian police officers in right-wing scene clothing (source reference Press Service Vienna: https://twitter.com/PresseWien/status/1388924368441516036 )

The events of May 1st once again raise the question: Do we need such a police organization? How can a world without police look like? An armed state organization that behaves in this way does not produce security, but primarily violence. It is clear that the violent behavior is not only directed against left-wing, anti-fascist demonstrations. Representatives of the press, people, mostly people of color, who are subjected to ethnic profiling and unequal treatment, refugees, people without papers or with non-Austrian passports and homeless people are possible targets. All marginalized groups are increasingly affected by controls and violence – in addition, the police are usually anything but sensitive to support in cases of domestic violence.
Currently there is a lot of discussion about alternatives to the police among grassroots initiatives, groups that organize horizontally and from below. This is not a new idea, but driven by, among other things, the discourse of events in the US after George Flyod was murdered by police in May 2020. Or by events in Germany, where, after the far-right terrorist network NSU killed 10 people, deep entanglements in the police structure have been proven. There have always been considerations of alternative concepts, especially in migrant and black community structures, which are strongly affected by police control and repression. Also anarchist movements deal with this issue intensively. Much of what is now being discussed under the terms “community accountabilty” (a responsible, community-based approach to assault) or “transformative justice” comes from leftist, progressive, emancipatory contexts in marginalized communities such as Black and Indigenous communities in North America.
These concepts open up possible practical options for action on how social coexistence can work without the police and what the focus might be.

A good overview of the discourse and approaches like #defundthepolice can be found here:
en: https://www.instagram.com/p/CCrD-2rH5bA/
en: https://defundthepolice.org/

We want to move towards a utopia in which violence no longer exists. And in which control instances like the police also belong to a capitalist and patriarchal past, overridden in solidarity. So far, we can only access fragments of this utopia, and yet we are already working towards it in solidarity in a variety of forms.

This means an end of social tolerance towards the violence described. There are other approaches. A world in which all share a piece of responsibility, so that a good life is possible for all!
It concerns us all, these are not individual struggles.

To further strengthen the way towards this, we want to take active steps. We call for permanent cross-linking and a program of solidarity as a reaction to police violence. Together with many people, we want to create a network for solidary, emancipatory solidarity and against repression. Thereby we want to achieve several things

  • to make more visible the already existing work of different initiatives and groups working in these areas.
  • a series of events and workshops to address both utopian aspirations and practical skills in dealing with repression (demo+ affinity group workshops, first aid, anti-repression work…).
  • Enable creative, empowering, diverse actions and spaces that (re)give and teach agency to ourselves and others. This is not meant to be only for our “bubble” but in the sense of broader community empowerment.

That’s why we invite all those who want to contribute to get in touch with us. In this way we can counteract and put an end to events like those on May 1st. In this way we can make sure that police violence stops.
We invite all those who want to stand up for radical awareness and equal social structures without oppression.

We look forward to your ideas and participation; with art and cultural programs; with actions, demonstrations and street festivals; with workshops, readings, concerts, films, discussions and other proposals.

We look forward to concrete, joint steps that support those affected by police violence and repression to make our lives more safe. All in the spirit of a security that works without authoritarian control.

We look forward to all those who are already working in initiatives in which they document, process and counteract police violence, wrongdoings in society and related problems. All those who do legal aid, solidarity and anti-repression work.

All those who are affected by the issues raised and the violence associated with them and want to change them –

  • let us act against these conditions in many ways!

Invitation to a first meeting:
The meeting is open to all groups and persons who feel committed to the described emancipatory basic values. Political parties and exclusively hierarchically organizations are not invited to the meeting.

Please send an email with a short info about who you are and why you want to participate to: ohne_polizei@riseup.net.

About us: we are activists, based in Vienna, who have been working on issues like emancipatory security, joint organizing and solidary togetherness for a long time. Some of us are organized in the mobile info-shop biblio>media:take! Some of us are affected by the events of May 1st in different ways, we think it is important and necessary to organize better and to empower ourselves against state and authoritarian repression.

  • email us for pgp key